Bluthochdruck

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Thomas Mengden / Ines Mikisek: Bluthochdruck – Risiko für Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Demenz senken, 176 Seiten, 50 Abbildungen, TRIAS Verlag Stuttgart 2025, Preis: 24,00 € (D), ISBN: 978-3-432-11877-2.

Buch Cover Bluthochdruck – Risiko für Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Demenz senken | Thomas Mengden und Ines Mikisek

Es ist der zweite Ratgeber zum Thema Bluthochdruck, den Kardiologe, Angiologe und Hochdruckspezialist Thomas Mengden zusammen mit Wirtschaftspsychologin, Business- und Gesundheitscoach Ines Mikisek vorlegt. Die Gründe dafür sind dringend: Nach Angaben der WHO ist Bluthochdruck weltweit der wichtigste einzelne Risikofaktor für Krankheit und Behinderung und schätzungsweise für acht bis neun Millionen Todesfälle jedes Jahr verantwortlich. Allein in Deutschland leiden 20 Millionen Menschen unter arterieller Hypertonie.

Während Professor Mengden in seinem bei TRIAS 2023 erschienenen Buch „Bluthochdruck senken durch Yoga-Atmung“ die Zusammenhänge von Stress und Hypertonie zum Kernthema macht und die Therapiewirksamkeit von verlangsamtem Atmen zur Senkung des Bluthochdrucks beleuchtet, ist ihm jetzt daran gelegen, ausführlich über die Ursachen krankhaft erhöhter Blutdruckwerte und deren Gefahren für Arterien, Augen, Gehirn, Herz und Nieren aufzuklären. Damit will er ein motivierendes Grundverständnis für die vielen proaktiven Möglichkeiten der eigenverantwortlichen Blutdruckregulierung vermitteln. Dementsprechend beschreibt er zunächst den gesunden Blutdruck, dessen Zusammenspiel mit dem Herz-Kreislauf-System, die Blutdruckwerte Systole und Diastole, Veränderung, Schwankungen und Regulierung der Blutdruck- und Pulswerte bei körperlicher Aktivität, bei psychischer Beanspruchung, in Ruhephasen, im Tag-Nacht-Rhythmus sowie in Abhängigkeit von der Atmung.

Die nächsten Aufklärungsschritte beziehen sich auf den „kranken Blutdruck“. Anhand von Studien- und Fallbeispielen erläutert der Autor Ursachen und die drei Formen des Bluthochdrucks. Bewegungsmangel, zu hoher Salzkonsum, zu viel Bauchfett, Rauchen, ständiger Stress und genetische Dispositionen zählen zu den häufigsten Ursachen von Hypertonie. Immer noch unterschätzen viele Menschen die Gesundheitsrisiken ihrer Hypertonie. Ein krankhaft erhöhter Blutdruck macht anfangs keine Symptome und bleibt lange unentdeckt, währenddessen er schon Schäden am Gefäßsystem verursachen kann. Daher kommt der regelmäßigen Blutdruckmessung (Arzt- und Heimmessung!) schon in jungen Jahren eine große Bedeutung zu. Denn dauerhaft zu hoher Blutdruck betrifft längst nicht mehr nur ältere Menschen, sondern auch immer mehr junge Erwachsene. So dient eine frühzeitig einsetzende Hypertoniebehandlung gleichzeitig der Prävention von Folgeerkrankungen wie Schlaganfall und Herzinsuffizienz.

Selten kommt ein einziger Auslöser in Frage, weshalb jede Form der Hypertonie bezüglich ihrer Entstehung, Behandlung und Prävention ganzheitlich und individuell betrachtet werden muss: So kann es bei sportlich aktiven und normalgewichtigen jungen Seniorinnen zu einer „isolierten systolischen Hypertonie“ kommen. Die Ursache ist ein mit höherem Lebensalter einhergehender zunehmender Elastizitätsverlust der Aorta. Bekannt ist das „Little old ladies‘ heart syndrome“, wobei eine ausgeprägte isolierte systolische Hypertonie zu einer speziellen Form der Herzinsuffizienz führen kann. Das Krankheitsbild kommt bei Frauen mit geringer Körpergröße deutlich häufiger vor als bei Männern. – Eine „isolierte diastolische Hypertonie“ kommt dagegen häufiger bei jüngeren Menschen vor. Die Ursache ist oft eine genetische Veranlagung. Hierbei verengen sich die kleinen Blutgefäße und erhöhen damit den Widerstand des Blutstroms. Bei jungen Frauen, die zum Beispiel orale Kontrazeptiva einnehmen, kann es unter Umständen zu einem weiteren diastolischen Blutdruckanstieg kommen. – Die dritte Form ist die „systolisch / diastolische Hypertonie“, bei der beide Blutdruckwerte dauerhaft erhöht sind. Häufig kommt sie bei Nierenerkrankungen vor. Aber auch Übergewicht und Dauerstress sowie eine salzreiche Ernährung führen schon in jungen Jahren zu krankhaften Anstiegen von Systole und Diastole.

Wie klinische Erfahrungen und Studien zeigen, treten bei Menschen mit Bluthochdruck gleichzeitig noch weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren sowie andere Begleiterkrankungen auf. Damit steigt die Gefahr für Herzerkrankungen erheblich an und kann sich sogar durch einen ungesunden Lebensstil verdoppeln. Thomas Mengden beschreibt daher mit patientengerechter Ausführlichkeit die häufigsten Risikofaktoren wie das Metabolische Syndrom, Diabetes mellitus oder die familiäre Hypercholesterinämie und erläutert das Wie und Warum der zusammenhängenden Folgeerscheinungen der chronischen Hypertonie. Hier setzen die ärztlichen Empfehlungen für eine aktive Selbsthilfe mit Ernährung, Bewegung und Entspannung an. Für Patient*innen ist all dies wichtig zu wissen, wenn sie ihre Lebensgewohnheiten gezielt zur Senkung ihres Bluthochdrucks ändern und damit die notwendige medikamentöse Therapie unterstützen wollen. Hier ein beispielhafter Ansatz „Ohne Salz kein Bluthochdruck“:

Der frappierende Einfluss von Salz auf den Blutdruck liegt darin begründet, dass das durch die Nahrung zu viel aufgenommene Salz Wasser in die Gefäße zieht, dort den Druck erhöht und die Endothelfunktion stört. Die Gefäße verengen sich und können sich – vereinfacht gesagt – nicht mehr entspannen, um den Druck zu senken. Somit trägt ein hoher Salzkonsum auch zur Gefäßsteifigkeit der Aorta bei. Internationale Studien belegen diese krankmachende Auswirkung. Bei indigenen Völkergruppen in Brasilien, die sich natürlich ernähren und keinen Zugang zu verarbeiteten Lebensmitteln mit hohem Salzgehalt haben, konnten konstante gesunde Blutdruckwerte auch im fortgeschrittenen Alter festgestellt werden. Dagegen gab es in der finnischen Region Nordkarelien in den 1970er Jahren eine hohe Sterblichkeit durch Herzinfarkte bei 40- bis 50-jährigen Männern. Untersuchungen, veranlasst durch die finnische Regierung, ergaben, dass das sehr hohe Herzinfarktrisiko überwiegend der Ernährungsweise mit zu fett- und salzhaltigen Fertigprodukten geschuldet war. Daraufhin wurden Beratungs- und Schulungsprogramme zu gesunder Ernährung und auch zum Tabakkonsum gestartet. Die Nahrungsmittelindustrie wurde ebenfalls einbezogen. Sie verringerte schrittweise den Salzgehalt ihrer Produkte. Es gelang nach ein paar Jahren, die koronare Sterblichkeit von 690 Todesfällen pro 100.000 Einwohner auf 100 Todesfälle pro 100.000 Einwohner zu reduzieren. – Demzufolge rät der Autor, den Salzkonsum drastisch zu senken, indem auf verarbeitete Lebensmittel wie Wurst, Tiefkühlpizzen und andere Fertiggerichte verzichtet wird. Die Nahrung sollte mit frischem kalium- und magnesiumreichem Gemüse selbst zubereitet werden und nur wenig gesalzen werden. Wem das nicht würzig genug schmeckt, dem sei, allerdings nicht ohne ärztliche Absprache, Blutdruck-Salz empfohlen. Blutdruck-Salz ist ein Kochsalzersatzmittel, bei dem ein Teil des Natriumchlorids durch ebenfalls salzig schmeckendes Kaliumchlorid ersetzt wird.

Weitere Ernährungsempfehlungen beziehen sich auf die Energiebilanz zum Erhalt eines normalen Körpergewichts, die Reduzierung von Übergewicht, Abbau von Bauchfett und auf Alkoholkonsum. Empfohlen wird eine pflanzenbasierte Ernährung als bevorzugte Kostform. Dazu werden 16 Menü-Rezepte vorgeschlagen.

Auch die Wirkungsweisen von „Bewegung als Blutdrucksenker“ sowie von Entspannungsverfahren und Atemtechniken zum Stressabbau werden nach aktuellem Stand der Wissenschaft für Patient*innen sehr motivierend aufbereitet. Das regt an, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren, kleine aber regelmäßige Sporteinheiten durchzuführen, Muskeln und Ausdauer zu stärken und sich im bewussten Atmen zu üben. Die Übungspraxis stellt Ines Mikisek vor. Sie beschreibt Atem-, Yoga- und funktionelle Gymnastikübungen. Einige der Übungen sind aus dem genannten Buch aus 2023 übernommen worden. Bei der Übung „Der Fisch“ zur Dehnung der Brustmuskeln wurde bedauerlicherweise auch die irritierende Übungsanleitung übernommen. Hier heißt es unter anderem: „…Bringen Sie [in Rückenlage] die gestreckten Arme unter Ihren Oberkörper.“ – Der Mensch kann nicht, wenn er auf dem Rücken liegt, die gestreckten Arme unter seinen Oberkörper legen.

Darüber hinaus informiert dieser Ratgeber auch über sportmedizinische Aspekte, genderspezifische Symptome bei Blutdruck- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Wirkungsweise von medikamentösen Blutdrucksenkern und die „Managerkrankheit“. Didaktisch geschickt vermittelt Thomas Mengden Einsichten in die vielfachen Gesundheitsgefahren von Blutdruckerkrankungen und zugleich Aussichten auf eine selbstverantwortliche gesundheitsförderliche Lebensstiländerung. Aus beidem kann Zuversicht wachsen, dass Bluthochdruck kein unabwendbares Schicksal ist.

Fazit

Der neue Ratgeber von Thomas Mengden und Ines Mikisek macht deutlich, dass Bluthochdruck eine der größten Gesundheitsgefahren unserer Zeit ist, aber durch frühzeitige Diagnostik, bewusste Ernährung, Bewegung, Stressabbau und Eigenverantwortung wirksam kontrolliert und Folgeerkrankungen vermieden werden können.

Cornelia M. Kopelsky
Service für bewegende Publikationen
Freie Fachjournalistin und Fachautorin
Feckweilerbruch 28, 55765 Birkenfeld / Nahe

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