Herz in Bewegung Ausgabe 68

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Winter 2025/2026

  • Editorial
  • Aus Medizin und Wissenschaft
  • Aus- und Fortbildung
  • Aus der Geschäftsstelle
  • Vereinsportrait
  • Selbsthilfearbeit
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Kardiologische Nachsorge aktiv gestalten – Herzgesundheit im Fokus

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Mit einem herzlichen Willkommen begrüße ich Sie zur Winterausgabe 2025 unserer Verbandszeitschrift „Herz in Bewegung“. Das Jahr neigt sich dem Ende zu und es ist eine gute Gelegenheit, sowohl zurückzublicken als auch nach vorne zu schauen – auf Entwicklungen, Projekte und Initiativen, die die kardiologische Rehabilitation und Herzgesundheit in unserer Region prägen. Seit 1997 durfte ich als Chefarzt der Median Klinik Bad Gottleuba die kardiologische Rehabilitation und somit die Betreuung der Herzgruppen in unserer Region mitgestalten. In diesen Jahrzehnten habe ich erlebt, wie wichtig eine strukturierte, individuelle Begleitung für Patientinnen und Patienten ist – und wie sehr diese Arbeit Leben verändern kann. Auch heute noch bin ich beeindruckt, wie Rehabilitation als geschütztes Setting Möglichkeiten schafft, nicht nur die körperliche, sondern auch die mentale Gesundheit nachhaltig zu fördern.

Ein besonders zukunftsweisendes Projekt im kommenden Jahr ist „Reha auf Ziel“. Ziel dieses Projekts der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V. (DGPR) unter aktiver Unterstützung unseres Landesverbandes ist es, die Diagnostik und Behandlung von Fettstoffwechselstörungen in der Rehabilitation systematisch zu verbessern. Patientinnen und Patienten werden aktiv in die Erfassung ihrer Blutfettwerte und Lipoprotein(a)-Profile eingebunden – unterstützt durch digitale Tools und eine begleitende App. Dadurch soll eine nachhaltige Bindung an die Behandlung entstehen und die langfristige kardiovaskuläre Gesundheit gestärkt werden. Besonders empfehlenswert in diesem Zusammenhang ist der Artikel auf Seite 7 mit dem Titel „Ist niedriges LDL-Cholesterin schädlich?“. Er zeigt, wie differenzierte Diagnostik, evidenzbasierte Therapie und die aktive Einbindung der Patienten entscheidend sind, um die Gesundheit bestmöglich zu sichern. Neben innovativen Projekten wie „Reha auf Ziel“ bleibt die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein zentraler Pfeiler unserer Arbeit. Ein gesunder Lebensstil, bewusste Ernährung und Bewegung sind die Basis, um Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder erhöhte Blutfettwerte zu minimieren. Dabei können wir als Reha-Einrichtungen, als Verband, aber auch als Vereine und Träger gemeinsam dazu beitragen, dass Patienten und Teilnehmer in den Herzgruppen langfristig profitieren.

Abschließend danke ich allen Mitgliedern, Kolleginnen und Kollegen sowie ehrenamtlich Engagierten für ihren unermüdlichen Einsatz im Sinne der Herzgesundheit. Ihr Engagement macht die Arbeit im LVS/PR e.V. und die kardiologische Rehabilitation so erfolgreich und wertvoll. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre der Winterausgabe, frohe Festtage und einen guten Start in ein gesundes und herzbewegendes Jahr 2026!

Herzliche Grüße
Dr. Christoph Altmann
Ehrenvorsitzender LVS/PR e.V.


Ist niedriges LDL-Cholesterin schädlich?

DR. MED. MORITZ SEIFFGE, FACHARZT FÜR INNERE MEDIZIN/KARDIOLOGIE, LIPIDOLOGE DGFL®

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache weltweit sowie in Deutschland. Fettstoffwechselstörungen, insbesondere erhöhte Spiegel von LDL-Cholesterin, Lipoprotein (a), Triglyceriden sowie erniedrigte Werte des HDL-Cholesterins spielen hierbei eine ursächliche, krankheitsverursachende Rolle. Darüber hinaus wird ihre schädliche Wirkung durch andere etablierte Risikofaktoren (z.B. Tabakrauch, Bluthochdruck, Blutzuckerstoffwechselstörungen, Bewegungsmangel, Übergewicht) negativ verstärkt. Durch eine lipidsenkende, medikamentöse Therapie kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesenkt und das Voranschreiten der Erkrankung verhindert werden. Gibt es jedoch auch ein „zu wenig“ LDL-Cholesterin? Um diese Frage zu beantworten ist es sinnvoll, zwei Bereiche der wissenschaftlichen Forschung zu Fettstoffwechselstörungen sowie deren Therapie zu betrachten: Untersuchungen von Personen mit genetischen Störungen, die zu einem sehr niedrigen LDL-Cholesterin führen sowie Beobachtungen aus den Studien zu modernen lipidsenkenden Therapien (sog. PCSK9-Inhibitoren).


Forever strong

DR. GABRIELLE LYON

656 Skelettmuskeln befähigen uns, unsere Knochen zu bewegen, unsere Körperhaltung zu stabilisieren, uns beim aufrechten Gehen im Gleichgewicht zu halten, Lasten zu heben und zu tragen, zu atmen, Nahrung zu kauen und zu schlucken, zu sprechen und zu singen. Um diesen motorischen Aufgaben gerecht zu werden, brauchen unsere Muskeln aktive Masse, müssen kräftig, dehnfähig und ausdauernd sein und auf äußere wie innere Reize angemessen reagieren können. Unsere Muskeln können noch viel mehr: Internationale Studien belegen hinreichend, dass die Skelettmuskulatur nicht nur ein komplexes Bewegungs-, sondern auch ein endokrines Organ ist mit großem Einfluss auf unser Immunsystem, unseren Herz-Kreislauf, unseren Zucker- und Fettstoffwechsel. So gesehen ist die Muskulatur ein Organsystem, das mit anderen Organsystemen und dem Gehirn kommuniziert. Das Beste ist: Muskeln werden und bleiben stark, indem sie durch viel Bewegung gefordert werden. Sogar der natürliche altersbedingte Rückbau der Muskelmasse lässt sich mit ausreichender Bewegung und entsprechender Ernährung verlangsamen. Und genau in dieser lebenslangen psychosomatischen Gesundheitsförderung durch aktive Muskeln liegt Gabrielle Lyons Ansatz für eine muskelzentrierte Medizin begründet.

Die Autorin ist Allgemeinmedizinerin und spezialisiert auf Geriatrie und Ernährungsmedizin in hausärztlicher Praxis und Forschung an der Washington University in St. Louis. Als praktizierende Ärztin begegnet sie vielen jungen, älteren und alten Menschen mit den verschiedensten gesundheitlichen Problemen und Krankheitsbildern. Bei ihren Untersuchungen stellt sie immer wieder fest, dass die meisten ihrer Patientinnen und Patienten ein und dasselbe Symptombild der zu geringen Muskelmasse mit einhergehender muskulärer Dysbalance, schwacher Körperspannung und Kräfteabbau aufweisen. Aus diesen Erkenntnissen entwickelte sie Aufklärungs-, Beratungs-, Aktivierungs- und Selbsthilfestrategien, die sie in ihrem Buch ausführlich darstellt. Ihre drei Kernthemen sind zur besseren Übersicht in zehn Kapitel gegliedert.


Rückblick: Mitgliederversammlung des LVS/PR e.V. auf der THERAPIE LEIPZIG 2025

RUND 53 TEILNEHMENDE FOLGTEN AM 10. MAI 2025 DER EINLADUNG DES LANDESVERBANDES SACHSEN FÜR PRÄVENTION UND REHABILITATION VON HERZ-KREISLAUF-ERKRANKUNGEN E.V. (LVS/PR) ZUR DIESJÄHRIGEN MITGLIEDERVERSAMMLUNG IM CONGRESS CENTER LEIPZIG IM RAHMEN DER MESSE THERAPIE LEIPZIG.

Von 9:00 bis 15:30 Uhr bot die Veranstaltung einen dichten Mix aus verbandspolitischen Themen, Wahlen und hochkarätigen medizinischen Fachvorträgen. Nach der Anmeldung eröffnete der Vorstandsvorsitzende Dr. Norbert Krujatz die Mitgliederversammlung. Im Anschluss bestimmte die Mitgliederversammlung einstimmig Geschäftsführer Michael Schäfer zum Versammlungsleiter. Dieser stellte fest, dass die Einladung ordnungsgemäß mit fristgerechter Übersendung der Tagesordnung und der Berichte erfolgte und die Versammlung gemäß Satzung beschlussfähig sei. Die Berichte wurden nochmals auf der Leinwand gezeigt und erläutert. Der Vorstand erhielt für das abgelaufene Geschäftsjahr die Entlastung.

Ausbildung & Fortbildung


Herzgruppenleiter und Rehasport-Übungsleiter Innere Medizin

Jahresvereinbarung zur Anerkennung von Aus- und Fortbildungsangeboten des SBV und des LVS/PR im Jahr 2026

Aus- und Fortbildungsplan 2026

Rehabilitation, die bewegt

Der SC Hoyerswerda stellt sich vor

Unter dem Begriff Rehabilitation wird die „Wiederherstellung“ verstanden – das Ziel, Menschen nach Krankheit oder mit chronischen Einschränkungen dabei zu unterstützen, wieder möglichst nah an ihren ursprünglichen körperlichen Zustand heranzukommen. Genau diesem Anspruch stellt sich die Abteilung Rehabilitationssport des Sportclubs Hoyerswerda e.V. bereits seit 1994. Die unter der Koordination von Franziska Zschornack und Tom Sebastian bestehenden Sportgruppen werden dabei von einem engagierten Team aus haupt- und ehrenamtlichen Trainern unterstützt. Die Sportangebote sind im Besonderen auf die gesundheitlichen Indikationen angepasst.


Neue Vergütungsvereinbarungen ab 01. Januar 2026

Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) im deutschen Gesundheitssystem

INTERAKTIV-VERANSTALTUNG FÜR SELBSTHILFEAKTIVE UND PATIENTENORGANISATIONEN

Vom 10. bis 11. November 2025 fand im Steigenberger Hotel am Kanzleramt in Berlin die mittlerweile neunte Interaktiv-Veranstaltung der Novartis Pharma GmbH zur Rolle der Künstlichen Intelligenz im deutschen Gesundheitssystem statt. Unter der inhaltlichen Leitung und Organisation von Dr. Christine Sick erhielten Vertreterinnen und Vertreter aus Selbsthilfe, Medizin, Wissenschaft, Politik und Industrie einen umfassenden, praxisorientierten Einblick in aktuelle Entwicklungen und Zukunftsaussichten der KI im Gesundheitswesen.

Die Veranstaltung bot einen offenen Raum für Austausch, Vernetzung und gemeinsames Lernen – ein Ansatz, der besonders für die Selbsthilfelandschaft von großer Bedeutung ist. Durch die Teilnahme von Michael Schäfer konnten auch der LVS/PR e.V. sowie die Patientenorganisation LipidHilfe-Lp(a) wertvolle Impulse für ihre zukünftige Arbeit gewinnen. Der erste Veranstaltungstag startete am Vormittag mit einer Reihe von Impulsvorträgen renommierter KI-Expertinnen und Experten sowie Ärztinnen, Ärzten und Industrievertretern. Im Mittelpunkt standen Fragen wie: Wie kann KI die Diagnostik beschleunigen und verbessern? Welche Chancen und Risiken ergeben sich für Patientinnen und Patienten? Welche Rolle spielt die Industrie bei der Implementierung innovativer KI-Lösungen? Wie verändert sich der Versorgungsalltag durch neue Technologien? Die anschließende Podiumsdiskussion bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, vertiefende Fragen zu stellen und unterschiedliche Sichtweisen unmittelbar gegenüberzustellen. Besonders relevant für die Selbsthilfe war dabei die Frage, wie KI-basierte Anwendungen den Zugang zu Information, Prävention und Therapiebegleitung erleichtern können.

Der Tag endete mit einem Netzwerkdinner, das den Austausch zwischen Selbsthilfevertretern, medizinischem Fachpersonal und Entwicklern weiter vertiefte. Für viele Teilnehmende war dieser persönliche Dialog ebenso wertvoll wie die inhaltliche Expertise des Programms.

Literaturverzeichnis

zum Beitrag von Dr. med. Moritz Seiffge, Facharzt für Innere Medizin/Kardiologie, Lipidologe DGFL® „Ist niedriges LDL-Cholesterin schädlich?”

Olsson AG, Angelin B, Assmann G, et al. Can LDL cholesterol be too low? Possible risks of extremely low levels. J Intern Med. 2017;281(6):534-553. doi:10.1111/joim.12614

Tada H, Usui S, Sakata K, Takamura M, Kawashiri MA. Low-Density Lipoprotein Cholesterol Level cannot be too Low: Considerations from Clinical Trials, Human Genetics, and Biology. J Atheroscler Thromb. 2020;27(6):489-498. doi:10.5551/jat.RV17040

Clinical efficacy and safety of achieving very low LDL-cholesterol concentrations with the PCSK9 inhibitor evolocumab: a prespecified secondary analysis of the FOURIER trial

Giugliano, Robert P et al. The Lancet, Volume 390, Issue 10106, 1962 – 197

Robinson JG, Farnier M, Krempf M, et al. Efficacy and safety of alirocumab in reducing lipids and cardiovascular events. N Engl J Med. 2015;372(16):1489-1499. doi:10.1056/NEJMoa1501031

Cholesterol Treatment Trialists’ (CTT) Collaboration, Baigent C, Blackwell L, et al. Efficacy and safety of more intensive lowering of LDL cholesterol: a meta-analysis of data from 170,000 participants in 26 randomised trials. Lancet. 2010;376(9753):1670-1681. doi:10.1016/S0140-6736(10)61350-5

Cohen JC, Boerwinkle E, Mosley TH Jr, Hobbs HH. Sequence variations in PCSK9, low LDL, and protection against coronary heart disease. N Engl J Med. 2006;354(12):1264-1272. doi:10.1056/NEJMoa054013

Patrizia Tarugi, Maurizio Averna, Chapter 4 – Hypobetalipoproteinemia: Genetics, biochemistry, and clinical spectrum, Editor(s): Gregory S. Makowski, Advances in Clinical Chemistry, Elsevier, Volume 54, 2011, https://doi.org/10.1016/B978-0-12-387025-4.00004-2.

Burnett JR, Bell DA, Hooper AJ, Hegele RA. Clinical utility gene card for: Familial hypobetalipoproteinaemia (APOB)–Update 2014. Eur J Hum Genet. 2015;23(6):890-. doi:10.1038/ejhg.2014.225

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