Schlaganfall

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Cornelia Cox: Schlaganfall – Das Übungsbuch: Mobil werden mit gezieltem Bewegungstraining aus der Physiotherapie, 128 Seiten, 21 Abbildungen, TRIAS Verlag, Stuttgart 2024, € 22,99, ISBN 978-3-432-11820-8.

In der Schlaganfall-Behandlung spielt eine neuromotorisch angelegte und an Alltagsaufgaben orientierte Aktivierungstherapie eine Schlüsselrolle, die im Idealfall direkt nach der Diagnose beginnt und nach der stationären Rehabilitation fortgesetzt wird. Studien der letzten 20 Jahre zeigen, dass durch gezieltes und intensives Bewegungstraining sich durch einen Schlaganfall ausgelöste Lähmungen auch noch Monate und Jahre später zurückbilden können. Daher ist eine langfristige Neurorehabilitation notwendig, die sowohl die Einbeziehung der betreuenden Angehörigen als auch das Eigentraining der Betroffenen fördert.

Das von Cornelia Cox vorgelegte Ratgeber- und Übungsbuch wird diesem ganzheitlichen Anspruch gerecht. Die Autorin ist Physiotherapeutin und Master of Science in Neurorehabilitation und hat langjährige Praxiserfahrung in der Neurologie. Aus der Überzeugung, dass zum Zeitpunkt der Entlassung aus der Klinik nach Hause oder in eine Pflegeeinrichtung noch großes Potenzial zur Besserung der Schlaganfallfolgen besteht, bietet sie kleine Übungsprogramme zur Fortsetzung des Bewegungstrainings und Hilfestellungen zur Alltagsorganisation an. Betroffene wie Angehörige sollen damit eine bestmögliche Lebensqualität erreichen können.

Um die Prinzipien der neuromotorischen Übungspraxis verstehen zu können, erläutert Cornelia Cox im ersten Kapitel Ursachen, Risikofaktoren und Folgen eines Schlaganfalls. Sie beschreibt dazu die Anatomie und die Funktionen des Gehirns, das Zusammenspiel der Nervensysteme sowie präventive Aspekte hinsichtlich physischer und psychosozialer Gesundheitsvorsorge. Mit besonderer Sorgfalt erklärt sie den FAST-Schnelltest, damit Laien einen Schlaganfall erkennen und sofort den Rettungsdienst rufen können. Denn „Zeit ist Hirn“!

Das zweite Kapitel führt zunächst in die Grundlagen der Neurorehabilitation ein. Diese ist geprägt von motorischem Lernen, um Bewegungsfähigkeiten wiederzuerlangen. Dazu muss das Gehirn angeregt und trainiert werden. Wer zum Beispiel wieder gehen lernen will, muss Schritte machen, auch wenn sie anfangs sehr wackelig und fehlerhaft sind. Wer die Hände wieder zum Greifen nutzen will, muss Fingerübungen machen. All das fühlt sich an, als würde man wie ein Kind gerade das Laufen und Schreiben lernen. Entscheidend beim motorischen Lernen sind viele Wiederholungen der Bewegungen, erst dann lernt das Gehirn die Koordination zu verfeinern und zu festigen. Die Übungsprogramme sind thematisch den ausführlich beschriebenen Symptomen zugeordnet, zum Beispiel: „Eine Halbseitenschwäche ausgleichen“, „Wiedererlangung der Rumpfstabilität“ oder „Wieder richtig gehen lernen“. Auch werden Übungen angeboten, um spezielle Wahrnehmungsstörungen wie der Neglect oder das Pusher-Syndrom auszugleichen. Schluck-, Sprach- und Sprechstörungen, Ataxie, Apraxie und Spastik sind weitere Symptombeispiele, die mit gezielten Übungen verbessert werden können.

Das dritte Kapitel gibt alltagsrelevante Tipps zur Raumgestaltung, zu Art und Wirkungen von Lagerungen, Transfers und Hilfsmittelversorgung. Darüber hinaus thematisiert die Autorin einfühlsam die belastende Situation der Angehörigen mit Empfehlungen zur Selbstfürsorge und zum Stressmanagement.

Dieses gelungene Ratgeber- und Übungsbuch beeindruckt durch ein sehr gut veranschaulichtes physiotherapeutisches Fachwissen und eine didaktisch geschickte Übungsanleitung in einer für Laien sehr verständlichen Sprache!

Cornelia M. Kopelsky
Freie Fachjournalistin und Fachautorin
Service für bewegende Publikationen
Feckweilerbruch 28, 55765 Birkenfeld / Nahe
Publikationen@CMKopelsky.de

www.CMKopelsky.de